“Lanz kocht” könnte so schön sein. Nicht, daß alle Rezepte nachkochbar wären, oder mir schmecken würden. Aber den ein oder anderen Küchenkniff kann man Freitag abends kurz vor 24.00 Uhr doch ergattern.
Nicht zu Eigen machen sollte man sich indes die medizinischen Blödheiten eines Alfons Schuhbeck, die er regelmäßig in die Sendung bläst. Gerade ist die Fernsehnation dem irren Hademar Bankhofer entkommen, schon nimmt der selbsternannte Gewürzschamane Schuhbeck seinen Platz ein.
Als angeblicher Kenner der “Apotheke Gottes”, bewirbt er durch die Hintertür schamlos seinen Gewürzhandel, der freilich auch kräftig mit Apothekenpreisen glänzt. 6,98 € für 90 g Schwarzkümmel – dafür bekommen Sie in einem odentlichen türkischen Laden das Doppelte von dem Zeugs und noch ein Fladenbrot dazu.
Nur wird Ihnen der Besitzer des Ladens bestimmt nicht erzählen, wie gut der Kümmel doch für die Gesundheit sei, und daß er gegen Kopfschmerzen, Schweißfüße, Hirnschrumpfung, Rheuma und sonstige Gebrechen helfe. Türkische Ladenbesitzer bevorzugen im Allgemeinen echte Medizin und halten Schwarzkümmel für das was es ist: Ein Gewürz.
Alfons Schuhbeck zeigt indes keinerlei Berührungsängste wenn es darum geht, seinen Gewürzen Heilkräfte anzudichten: Kardamom erhalte die Zahngesundheit, Zimt erwärme und rege die Durchblutung an, Pfeffer schütze vor Infekten und der Ingwer… – ja der Ingwer hilft eh gegen Alles, einschließlich Kopfkrebs und Pimmelfäulnis.
Und weil das Geschäft mit der Gewürz-Apotheke so gut läuft, wird Alfons Schuhbeck bei “Lanz kocht” immer enthemmter. Wie wenig Ahnung dieser Naturprediger wirklich hat, entblößte er schließlich am letzten Freitag:
Es ging schon gut los. Markus Lanz darf ja nicht einmal mehr “Sardelle” sagen, ohne daß sich ein Alfons Schuhbeck entblödet zu behaupten, diese seien ja so gesund.
Was an einer Sardelle gesund sein soll, blieb er schuldig. Bei Hypertonikern steigert dieses salzige Etwas unter Umständen den Blutdruck, was alles andere als gesund ist. Mehr ist aber auch nicht dran, an der dollen Sardelle.
Dann war die Sojasauce dran. Na klar, auch die Sojasauce bekommt von Schuhbeck sofort das Prädikat “Gesund!”. Holla, mit Glutamat scheint der Superkoch keine Berührungsängste zu haben. Die hat Kidmed auch nicht, aber ist das deswegen gesund? Eine der häufigsten Aminosäuren in Form von Sojasauce? Bizarr.
Die anwesende asiatische Köchin Sohyi Kim führte aus, die kräftig salzige Sojasauce schütze die Nieren. Hoffentlich glaubt das keiner, sonst steigt demnächst der Umsatz von Diuretika in den Apotheken. Salz schadet natürlich Nieren, wenn sie nicht mehr gesund sind.
Wie wenig Ahnung von Warenkunde Alfons Schuhbeck wirklich hat, wurde klar, als es dann schließlich um den Glanz von Äpfeln ging. Markus Lanz führte aus, die meisten Äpfel seien gewachst, damit sie schön aussähen. Zu diesem Zeitpunkt lache ich noch vorm Fernseher und mutmaße Lanz sei ein Großstadtkind und habe eben noch keine Apfelernte erlebt.
Anschließend erzählte Schuhbeck jedoch die rührige Geschichte eines Freundes, der seine Äpfel nicht auf dem Markt verkaufen könne, weil alle anderen die Äpfel mit Wachs behandeln würden. So viel Blödheit ist dann doch nicht mehr lustig.
In Deutschland werden keine Äpfel gewachst. Nahezu alle Äpfel bilden selbst eine mehr oder minder dicke Wachsschicht, die sie vor dem Austrocknen und vergammeln bewahrt. Wie alle anderen Pflanzen auch, möchte ein Apfel nur ungern sterben, bevor er seine Samen los geworden ist.
Gewachste Äpfel gibt es höchstens aus Übersee. Das macht man bei Sorten, die wenig eigenes Wachs bilden, damit sie auf der Schiffsreise nicht vertrocknen. Und wenn das gemacht wurde, muß es deklariert werden. Schädlich ist das nicht, sondern eher praktisch, weil kein zusätzlicher Schutz mit Pestiziden notwendig ist. So wenig Rückstände gibt es sonst auf keinem Obst.
Da will uns Alfons Schuhbeck also was von Natur und Heilerei mit Gewürzen aus dem Orient erzählen, und scheitert schon an der der Natur eines einheimischen Apfels. Wesentlich komplexer als ein Apfel ist der Mensch und man kann Schuhbeck nur einzimmern, seine Finger von Dingen zu lassen, von denen er zweifelsohne noch weniger versteht als von Äpfeln.
Wer heiße Fenchelwickel gegen Lungenentzündungen anpreist ist ein kreuz(kümmel)gefährlicher Scharlatan, der für den Profit seines Webshops mit Menschenleben spielt.
Und Alfons Schuhbeck geht diese Attentate auf die Gesundheit anderer Menschen durchaus ausgebufft an:
Fein säuberlich trennt er gesundheitsbezogene Aussagen zu Gewürzen von den Waren seines Webshops, damit man ihm keine Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz nachweisen kann. Deswegen wird sein endloses Gequake über die Heilwirkungen der Gewürze bei Lanz auch immer doller und unerträglicher. Deswegen schreibt er ein Gewürzbuch, in dem er seine angeblichen Wirkungen natürlich nicht belegt. Und nur deswegen haut er völlig unpassende Gewürze in traditionelle Gerichte. Oder gibt es sonst einen vernünftigen Grund das Vitello Tonnato bei Lanz mit einer Würzorgie zu killen, die auf einen Döner gehört?
Neben Werbung für Tütensuppen und McDonalds hat Alfons Schuhbeck leider auch die Kranken zum Abzocken entdeckt. Das ist gefährlich. Das ist gemein.
Es stünde dieser profitorientierten Reklameschleuder besser, wenn er mal endlich wieder brauchbar kochen würde.

February 12th, 2012 - 08:24
Betrug mit Betrug:
Fliege, Uriella & Co:
Betrug mit gefälschtem Lourdes-Heilwasser in Italien aufgeflogen
Ein riesiger Betrug auf Kosten kranker Patienten mit Plagiaten von Lourdes-Heilwasser sorgt in Italien für Aufregung.
Eine italienische Biologin hatte in Mailand, Bari, Venedig und Ancona Arztpraxen eröffnet, in denen Patienten, darunter Krebskranke, angeblich mit Heilwasser aus den Wallfahrtsorten Lourdes, Fatima und Medjugorie behandelt wurden.
200 Euro für ein Fläschchenen Wasser
Ein Fläschchen mit Heilwasser kostete 200 Euro. Dabei handelte es sich um normales Leitungswasser, stellten die Ermittler fest. 39 Personen wurden wegen Betrugs angezeigt, berichteten italienische Medien am Freitag.
500 Patienten aus ganz Italien sind auf die Betrüger hereingefallen, die im Internet für ihre Heilungsmethoden warben und sich als hoch qualifiziertes Team aus Ärzten, Biologen und Physikern ausgaben.
Den Patienten versicherte die 71-jährige Biologin, dass sie eine innovative Technik zur „Harmonisierung der Materie“ entwickelt habe, die auch Krebs heilen konnte. Sie organisierte sogar Kurse für Anhänger ihrer neuen Therapieform, die sie sich teuer zahlen ließ, berichteten die Ermittler.
Die Patienten unternahmen lange Reisen, um sich von der Biologin behandeln zu lassen. Die Ermittlungen gegen die Frau wurden von der Staatsanwaltschaft Ancona nach der Anzeige eines Patienten in die Wege geleitet. Die Biologin besaß Immobilien im Wert von drei Millionen Euro.
http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Chronik/Betrug-mit-gefaelschtem-Lourdes-Heilwasser-in-Italien-aufgeflogen
http://www.szene-insider.net/viewtopic.php?f=16&t=3887&p=29263